Leben wie im Mittelalter Teil 1 ( Sari Sari Geschaeft und Trycicle )
Leben wie im Mittelalter ( Sari Sari Geschaeft und Trycicle )
Bericht Teil 1 zu Teil 2
Ladies and Gentlemen, tayo po ay kasalukuyang makakaranas ng di inaasahang pagsama ng panahon pakesuot po ng inyong mga seat belt sa inyong kaligtasan” tönt aus dem Bordlautsprecher, was in etwa heisst, dass wir uns einer Turbulenzzone nähern und zur Sicherheit die Gurten angeschnallt werden sollen! Schon beim Start in Manila war das Wetter regnerisch. Will denn diese Regenzeit eigentlich nie zu Ende gehen? Als der brandneue Airbus der Cebu Pacific nach fünfundvierzig Minuten den Sinkflug nach Tacloban (sprich Taclooban) beginnt, tauchen wir in ein Meer dunkler Wolken ein. Minuten vor der Landung ist aus dem Fenster noch immer nichts zu sehen. Obwohl ich dem Pilot und seinem Höhenmesser traue, habe ich solche Situationen ganz und gar nicht gerne. Es gibt zum Glück auf dem Anflug keine grossen Berge, doch schon manche Maschine ist kurz vor der Landung an einem Berghügel zerschellt. Deren gibt es hier viele. Durch ein Loch in den Wolken erkenne ich, dass wir noch einige hundert Meter über dem Boden sind. Erleichterung kommt auf. Die Landung in Tacloban City, der Hauptstadt der Provinz Leyte, ist perfekt (siehe auch Mabuhay Reisebericht 3) Längst sind wir jedoch noch nicht an unserem Bestimmungsort angelangt. Nach Maydolong, an der Ostküste der Provinz Eastern Samar, sind es noch vier Stunden Busfahrt!

Karte von Leyte und Samar
(mit freundlicher Genehmigung von: www.ipp-travel.com und www.ezmap.info)
Über die S-förmige San Juanico Bridge überqueren wir die Meeresenge von San Juanico. Es ist die längste Spannbrücke der Philippinen und verbindet die beiden Provinzen Leyte mit Samar. Die Strasse führt nun südlich der Küste an unzähligen malerischen Palmenstränden entlang In Quinapondan zweigt sie nach Norden ab. Es beginnt zu regnen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit passieren wir das Dorf Gen. MacArthur. Ob es aus touristischer Sicht hier etwas Interessantes zu sehen gibt, erkundige ich mich beim Fahrer. Dieser weiss von nichts. Scheinbar wurde das Dorf lediglich als Erinnerung an die Landung der US-Landungsflotte vom 20. Oktober 1944 unter dem Kommando von General McArthur so benannt. Es giesst nun wie aus Kübeln. Man sieht keine zwanzig Meter weit. Maydolong soll nicht mehr weit sein, versichert man mir. Nur noch 65 Kilometer. Inzwischen ist es draussen stockdunkel. Die Fahrt scheint unendlich. Wie lange doch so 65 Km sein können. Ich habe keine Ahnung wo wir sind. Nicht dass wir dann unseren Bestimmungsort noch verpassen! Doch, dies ist kaum möglich. Der National Highway ist vor der Einfahrt von Maydolong in einem dermassen schlechtem Zustand, dass alle Passagiere vor Erreichen des Dorfes wachgerüttelt werden. Endlich sind wir angekommen! Der Empfang hätte nicht freundlicher sein können: es herrscht „brown out – Stromausfall), zudem gibt es kein fliessendes Wasser! Es lebe die Provinz!
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Die Beach von Maydolong
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Barangay 7
Die erste Nacht ist überstanden. Draussen regnet es noch immer. „La Niňa“ wird die Schuld für diese ungewöhnlich lange Regenzeit zugeschoben. Der Strom ist auch noch nicht zurück, so essen wir das Frühstück bei Kerzenlicht: So was scheint hier an der Tagesordnung zu sein. Es gibt mitgebrachte Züpfe und Kaffee. Wenigstens funktioniert das fliessende Wasser wieder. Für eine kurze Zeit schliessen sich die Himmelschleusen. Zeit mich kurz mal umzuschauen. Maydolong hat 11250 Einwohner und ist an der Philippines Sea gelegen. Die Bewohner sind Reisbauern und Fischer. Es gibt eine Kirche, das Gemeindehaus, ein kleiner Markt, das Health Center, dazu einige kleine Läden. Unser Haus liegt etwas ausserhalb des Zentrums, rund hundert Meter vom Strand entfernt, an der Roxas Street im Barangay (Kreis) 7. Es ist ein kleines Haus aus Ziegelsteinen mit Flachdach, welches meine Freundin in den letzten Jahren hat bauen lassen. Mit Strom, fliessendem Wasser, WC mit Dusche, einem Bett mit Matratze und einem Fernseher, gehört es zu den „besseren“ Häusern der Umgebung. Die Häuser unserer Nachbarn sind einfache Nipa-Hütten. Es gibt Im Dorf auch einige sehr ganz schöne Häuser. Eigentlich verwunderlich in einer so armen Region. Doch scheinbar haben auch hier viele Familien irgendeinen Verwandten der als Overseaworker (inzwischen arbeiten rund 9 Mio Filipinos im Ausland) Geld nach Hause sendet.
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Unser Haus und Sari-Sari (Bild rechts)
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Küche, Badezimmer und Wohnzimmer
und Schlafzimmer
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Das Elternhaus wird von der Schwester und ihrem Mann bewohnt
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Das Haus unseres Nachbarn
Was früher bei uns für die Mädchen der Beruf Swissair-Stewardess und für die Buben eines Lokomotivführers bei der SBB bedeutete, so ist es in den Philippinen der Traum jedes Mädchens einen Sari-Sari (Krämerladen) zu besitzen und für die Buben ein Trike (Motorrad mit Seitenwagen für den Personentransport) zu fahren. Wir haben beides. Als Besitzer eines Sari-Sari und eines Trikes ist man schon recht gut angesehen.
Unser Sari-Sari prägt denn auch das Tagesgeschehen, denn dieser ist täglich sechzehn Stunden lang geöffnet, sieben Tage in der Woche. Solche Krämerläden gibt es haufenweise, alleine in unserem Barangay deren sieben. Die Konkurrenz ist gross. Wie viele Diskussionen hatten wir bereits mit meiner Freundin, wie ein Geschäft erfolgreich geführt werden sollte. Aus der Sicht der Ausländer ist immer alles einfach, von den örtlichen Verhältnisse haben die meisten jedoch keine grosse Ahnung. Für mich ist es daher eine gute Gelegenheit mal selber zu sehen und zu erfahren wie die Leute hier überhaupt leben und mit welchen Problemen sie täglich konfrontiert sind. Man braucht nicht studiert zu haben um sofort festzustellen, dass die Leute keine Kaufkraft haben. Das ganze Sortiment muss daher in Kleinstmengen angeboten werden, damit die Leute es überhaupt kaufen können. Der Gewinn bei solchen Mengen ist minim, einige Centavos. Das „beste“ Geschäft ist noch mit dem Reis. Reis ist das Brot der Filipinos, wie übrigens überall in Asien. Nur dass hier zu jeder Mahlzeit Reis gegessen wird. Unser Sari-Sari verkauft jede Woche zwischen 200 und 250 Kilo Reis. Der Preis für ein Kilo Reis, ist je nach Qualität unterschiedlich. Die meisten Leute kümmern sich jedoch kaum um die Qualität, es wird der Reis dort gekauft, wo er am billigsten ist. Derzeit kostet das Kilo 24 Pesos. Alleine mit dem Verkauf von Reis gibt es einen „schönen“ Gewinn, doch nicht genug um damit Leben zu können.
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Tante Eding, die Geschäftsführerin
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Das Sortiment muss in Kleinstmengen angeboten werden, damit die Leute es überhaupt kaufen können
Unser Trike, der Himalayan Express
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Bau des Trike-Garages
Ein Tag in der Provinz
Wer kein Frühaufsteher ist, abends nicht ohne „Bar Happy“ (Ausgang) sein und sich nicht an einen einfacheren Lebensstil anpassen kann, dem wird es in der Provinz kaum gefallen und sollte so was auch lieber gleich lassen. Das Leben beginnt hier früh, sehr früh. Bereits ab 04.00 Uhr bereitet unsere Nachbarin den Reis für das Frühstück vor. Das rhythmische zerstampfen der Reiskörner weckt mich auf. Ich muss wieder eingeschlafen sein, denn 05.30 Uhr werde ich erneut aus dem Schlaf gerissen: Kling! Kling! Kling! Irgendwo im Dorf wird auf einer Autofelge während einer halben Minute ein Klingelspiel zur Dorftagwache veranstaltet. Draussen herrscht bereits eine rege Tätigkeit. Ich nehme das Klirren der Handwasserpumpe wahr. Die meisten Leute haben kein fliessendes Wasser und müssen das Wasser in Eimern nach Hause schleppen. Spätestens um 06.00 Uhr heisst es auch für uns aufzustehen um den Laden zu öffnen. Tante Eding ist, wie jeden Dienstag, heute schon früh um 04.30 Uhr mit unserem Trike nach Borongan gefahren um den Billigreis der National Food Authority, sogenannten NFA-Reis zu kaufen. Es handelt sich um ein Programm von Präsidentin Arroyo, dass den armen Leuten ermöglichen soll verbilligten Reis kaufen zu können. Die Abgabe dieses Reises erfolgt jedoch nur an lizenzierte Verkäufer, die sich dazu verpflichten diesen zu einem vorgeschriebenen, festgelegten Preis zu verkaufen. Da schon mehrmals nicht genügend Reis vorhanden war, stehen die Leute nun stundenlang Schlange vor den Türen der NFA an. Der Dienstag ist daher immer ein hektischer Tag. Die Kinder müssen geweckt werden, diese müssen Duschen, Zähne putzen, Anziehen, Kämmen und Frühstücken. Aus Platzmangel essen wir in Schichten! Zwischendurch steht ein Kunde vor dem Laden und ruft: „Maopai – ist jemand da?“. „Anoee – ich komme“. Ich springe wenn möglich ein: „Ano gusto mo? – was möchten Sie?“. Einige Worte Warai, der Provinzsprache, verstehe ich bereits, ansonsten lasse ich mir zeigen was gewünscht wird.
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Morgentoilette
Es ist 07.00 Uhr. Endlich sind die Kinder aus dem Hause. Es ist ruhig geworden. Als nächstes müssen die Schweine gefüttert werden. Ja, wir haben auch noch einen Saustall! (wortwörtlich) mit vier „Säuli“. Wie wohl überall auf dieser Welt, braucht es immer ein Startkapital um ein Business zu starten. Wir haben dies nun mal versuchsweise aufgebracht. Spätestens in drei Monaten werden wir sehen, ob sich unsere Investition bezahlt gemacht hat. Ein weiser Rat sei aber erlaubt für all jene die gedenken hier oder in irgend einem asiatischen Land etwas zu investieren: um nicht in eine prekäre finanzielle Situation zu geraten, schreiben Sie am besten immer gleich alles als Fonds perdu ab. Gemäss Futterplan gibt es ab heute neues Futter. Die neuen Vitaminkörner sollen in den nächsten Wochen für eine Gewichtszunahme von 25 auf 40 Kilo sorgen.
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Der Schweinestall
[Ratings] ©1999-2007 Text und Foto Willy Blaser
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