Situationsbericht Eisenbahnen auf den Philippinen!
Philippine National Railways - PNR
Situationsbericht Eisenbahnen auf den Philippinen!

Die PNR haben unter starkem Konkurrenzdruck durch Busbetreiber zu leiden. Darüber hinaus wurde die Eisenbahn jahrelang vernachlässigt und galt der Politik nur als störendes Relikt aus alten Zeiten. Die private Bahn auf Panay ging in Konkurs, die Nordstrecke der Staatsbahn auf Luzon wurde stillgelegt. Dann, Ende der 80er Jahre, sanierte man die Südstrecke auf Luzon wieder. Kurz, bevor es ganz zu spät ist, hat man nun die Bedeutung der Eisenbahn in einem bevölkerungsreichen Land anscheinend doch noch erkannt und versucht jetzt, massiv gegenzusteuern. Eine ganze Reihe von Großprojekten sind aus der Taufe gehoben worden, die der Eisenbahn zu neuem Leben verhelfen sollen. Man muss fast bei Null anfangen. Von den einst 1.140 Strecken-Kilometern sind noch etwas über 500 übrig geblieben. Die wenigen Züge, passen auf die Rückseite eine kleinen Faltblattes. Güterverkehr gibt es überhaupt nicht mehr!
Die erst 1990 voll durchgearbeitete Strecke von Manila nach Legaspi sieht nur zwei Zugpaare täglich: Union Express T509/510 und Limited Express T588/578. Die Fahrzeiten sind:
| T509 | T577 | Station | T510 | T578 |
| 16.30 | 18.30 | Manila | 05.05 | 06.30 |
| 07.00 | 08.55 | Legaspi | 15.00 | 16.30 |
Die weiteren 16 Zugpaare der PNR sind Vorortzüge und beschränken sich auf einen 40 km langen Abschnitt von Manila nach Carmona im Süden.
Von dieser recht kläglichen Ausgangsposition aus geschehen auf ausdrücklichen Wunsch der Politik nun erstaunliche Dinge. Gleich mehrere Großprojekte, projektiert, finanziert und gebaut größtenteils durch China, Südkorea, Deutschland und Indien, sind bereits begonnen worden. Das erste Projekt, die Wiederinbetriebnahme der Nordstrecke auf Luzon, soll bereits 2007 angeschlossen werden.
Die Projekte im Einzelnen sind:
- 1) Nordbahn Projekt mit der Strecke Caloocan nach Malolus, Eigentümer der Strecke: North Luzon Railways Corporation, Finanzierung und Bau: China
Der Ausbau der Strecke soll in einer zweiten Phase bis in die Ilocus Region führen. - 2) Süd-Manila Nahverkehrsprojekt mit der Strecke Caloocan - Alabang - Calamba und am Ende der zweiten Ausbaustufe die Errichtung einer Bahnstrecke zum Hafen von Batangas City. Eigentümer: PNR, Finanzierung: Südkorea, am Bau beteiligt: Daewoo (Südkorea)
- 3) PNR Hauptstrecke Süd mit dem Ausbau des Abschnittes Calamba - Legaspi und dem Neubau nach Matnog, Eigentümer: PNR, Finanzierung und Bau: China
- 4) Wiederherstellung der Bahnstrecke auf Panay, Strecke Iloilo City - Roxas City, Eigentümer: Panay Railway Corporation, seit deren Bankrott im Staatsbesitz, Finanzierung: Deutschland, Frankreich und Österreich, Bau: Siemens, Systra und Voest Alpine
- 5) Mindanao Eisenbahnprojekt
Hierbei handelt es sich um die Erschließung einer der größten Inseln der Philippinen mit einer Bahn. Die Machbarkeitsstudien wurden dabei u.a. von Deutschland erstellt (kostenlos!) und legen nahe, dass die Erschließung der Insel per Eisenbahn große wirtschaftliche Impulse bringen kann. Es sind eine Reihe von Strecken geplant, die alle von der PNR betrieben werden sollen:a) Iligan City - Cagayan de Oro City mit Verlängerung zum Hafen Phividee
b) Iligan City - Zamboanga City
c) Cagayan de Oro City - Agusan - Surigao
d) Surigao - Davao City - General Santos City
Die Projekte auf Mindanao werden hauptsächlich von Deutschland, Indien und Thailand finanziert. IRCON und Siemens sind Hauptauftragnehmer bei diesem Geschäft.
Wenn all das tatsächlich verwirklicht worden ist, hat man weitere Eisenbahnprojekte auf der Hauptinsel Luzon im Auge. Sollten sich die politischen Verhältnisse nicht wesentlich ändern und das Geld nicht vorzeitig ausgehen, dann werden die Philippine National Railways aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen müssen, um diese Bahnnetze auch erfolgreich zu betreiben. Andernfalls steht nach dem Bau wieder das Siechtum bevor, dass diese Bahnverwaltung seit vielen Jahrzehnten befallen hat.
Die Bahn hat derzeit fünf Depots und ein Ausbesserungswerk. Das Depot der Hauptstadt Manila befindet sich in Tutuban. Die dortige Bahnstation ist kürzlich zu einem Shopping- und Erlebnistempel umgebaut worden (stören nur noch die Züge).
Das Ausbesserungswerk befindet sich in Caloocan. Die weiteren Depots sind in Calamba, Hondagua, Naga City und Legaspi City auf der Südbahn, sowie (derzeit nicht genutzt) Dagupan City an der Nordbahn.
Von den Dampflokomotiven der Staatsbahn sind nur wenige Exemplare erhalten geblieben. Ein Museum gibt es nicht. In Manila befinden sich Denkmallokomotiven in Tutuban und Tamuros. Eine weitere Maschine steht in Dagupan.
Die Elendsviertel entlang der Bahnstrecken in Manila sollen im Zuge des Ausbaus der Strecken entsorgt werden. Die Regierung verspricht bessere Wohnmöglichkeiten für die Anwohner der Bahnstrecken, die sich oftmals illegal dort ihre Hütten und Häuser gebaut haben. Die Leute sollen dazu allerdings kilometerweit umgesiedelt werden, was ihre ohnehin beschränkte Erwerbsfähigkeit noch weiter mindert. Daher wird das Problem wohl eher temporär und räumlich verlegt, als gelöst. Noch jedenfalls rumpeln übervolle Commuter Züge durch die engen Gassen, die die Bahnanwohner der Bahnstrecke gelassen haben. Bis Mitte 2007 soll das Geschichte sein.
Bild und Bericht mit freundlicher Genehmigung von Farrail.net
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