Ein Leben ohne Thomy-Senf
Ein Leben ohne Thomy-Senf
Wenige Tage nach unserem Ausflug zum Taal-Volcano bebt die Erde erneut. In Tagaytay wird auf der Richterscala ein Wert von 6,2 gemessen. Es werden zudem 21 Nachbeben registriert. Messungen haben ergeben, dass die Temperatur des Wassers im Kratersee auf 27 Grad gestiegen ist. Das Philippines Volcano and Seismology Institute (Philvolcs) versichert den Inselbewohnern zwar, dass kein unmittelbarer Ausbruch bevorsteht, infolge der zunehmenden seismischen Aktivität, die in den nächsten Wochen noch zunehmen könnten, wird Signal 1 ausgerufen, was bedeutet, dass der Zugang zum Kratersee in einem Radius von 10 Kilometer nicht mehr erlaubt ist. Mit unserem Besuch haben wir daher nochmals Glück gehabt…
Bereits vier Monate bin ich nun schon wieder in den Philippinen. Wie auch hier die Zeit schnell vergeht. Die täglichen Abendrote in der sich die Silhouette des Mount Pinatubos im purpurgoldenen Himmel abzeichnet, sind das unverkennbare Zeichen, dass die Regenzeit in Zentral-Luzon definitiv zu Ende ist. Erst jetzt beginne ich die klimatischen Bedingungen so richtig zu geniessen, umso mehr als in der Heimat derzeit ein Sauwetter herrscht.
Obwohl wir Schweizer uns hier in Angeles über das Angebot von westlichen und Schweizer Lebensmittel nicht beklagen können, sind lange nicht alle der 27′000 in Asien lebenden Auslandschweizer so privilegiert.
Solltet ihr daher mal Verwandte, einen Freund oder Bekannten im Ausland besuchen, denkt daran wie sehr man ein kleines Mitbringsel aus der Schweiz schätzt, sei es nur einen Landjäger, etwas Bündnerfleisch, eine Tube Thomy-Mayonnaise
oder Senf, ein Stück Käse, eine Dose Gewürzmischung zum Grillieren, eine Tube Bratensauce, Schweizer Salatsaucen oder die aktuelle Ausgabe einer Tageszeitung. Vielen Dank daher nochmals an Martin Meier, der mir Aromat, Thomy Senf und Salatsauce in Pulverform mitbrachte!
Vor 60 Jahren: Gründung der Todesflieger Kamikaze
In jedem anderen von den Japanern besetzten Land, würde die Einweihung eines Kamikaze-Denkmals zu Protesten führen. Nicht in den Philippinen. Gemäss Guy Hilberno, dem lokalen Tourismusvorsteher von Mabalacat, soll das Denkmal als Förderung von Frieden und Freundschaft zwischen den beiden Ländern dienen. Es ist kein Denkmal zur Glorifizierung der Kamikaze, es soll vielmehr daran mahnen, dass sich das Kamikaze-Phänomen niemals mehr wiederholt. „Wir Filipinos sind ein sehr verzeihendes Volk. Zu einem gewissen Zeitpunkt muss man vergessen was geschehen ist und in die Zukunft schauen“.
Wenige Kilometer von der früheren US Luftwaffenbasis Clark in Angeles City entfernt, steht neben einem Zuckerrohrfeld die Statue eines japanischen Kamikaze Fliegers aus dem 2. Weltkrieg. Hier, am östlichen Flugfeld von Mabalacat, gründete vor 60 Jahren Vize-Admiral Takijira Omnishi die Kamikaze-Todesflieger. Die ersten Freiwilligen sind 23 Piloten der 201st Air Group, 1st Air Fleet, der Imperial Nippon Naval Air Force, die damals in Mabalacat stationiert war. Die erste Kamikaze-Gruppe wird Shimpu Special Attack Corps benannt. Das Geschwader ist in vier Staffeln eingeteilt: die Shikishima Staffel, die Yamato-Staffel, die Asahi-Staffel und die Yamazakuro-Staffel. Am 21. Oktober 1944, um 09.00 Uhr, starten die vier Staffeln, unter dem Kommando des 23jährigen Leutnant Yukio Seki, zur allerersten Sortie. Da die Todesflieger keine feindlichen Ziele lokalisieren können, kehren sie zum Mabalacat-Airfield zurück. Wegen des schlechten Wetters sind sie auch die nächsten drei Tage nicht erfolgreich. Schlussendlich, am 25. Oktober 1944 um 07.25 Uhr, startet Leutnant Yukio Seki erneut mit vier anderen Piloten. Drei Stunden später steuert Seki seine Maschine auf das Deck der USS St. Lo. Vollbetankt und mit einer 550 Pfund Bombe richtet die Explosion einen verheerenden Schaden an. Das Schiff sinkt innerhalb von 20 Minuten. Sechs weitere Schiffe werden getroffen und schwer beschädigt. Die amerikanischen Streitkräfte in Leyte, kurz von der Landung in Leyte, sind durch die Schwadron der Todesflieger, auch „Zeroes“ benannt, völlig überrascht. Die Verluste sind derart gross, dass die amerikanische Regierung ein Nachrichtenverbot verfügt um zu verhindern, dass das japanische Imperiale Hochkommando von den enormen Schäden erfahren könnte, die ihnen durch die Selbstmordpiloten zugefügt wurden. Es war der letzte verzweifelte Versuch der Japaner die drohende Niederlage abzuwenden. Von den 1′200 Kamikaze Einsätzen bei der Leyte-Landung, verfehlten etwa ¾ ihr Ziel und flogen in den Tod. Die Piloten waren meisten junge Männer, 19-20 jährige Burschen, die mehr Mut als fliegerische Fähigkeiten besassen. Am Ende des 2. Weltkrieges hatten die Kamikaze-Piloten 322 US-Schiffe versenkt oder schwer beschädigt. 12′300 amerikanische Seeleute kamen bei diesen Attacken ums Leben, 36′000 wurden schwer verwundet.
Die Angriffe starteten vom Mabalacat West Airfield
Bei der letzten Kämpfen um die Befreiung von Clark im Januar 1945, verschanzten sich Major Higuchi und 800 seiner Leute auf dem Lily Hill und kämpften erbittert um diese letzte Position gegen das 145. Infanterie Regiment. Sechshundert kamen dabei ums Leben, die restlichen 200 begehen Harakiri.
Für die Kamikaze-Tour wendet man sich am besten an René Wyss im Hotel Première. Er kennt die frühere US-Base wie seine eigene Hosentasche. Wenn er zudem noch vom West-Airfield zum Ost-Airfield eine Abkürzung nehmen will, wird das Unternehmen unerwartet noch zu einem kleinen Abenteuer!
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©1999-2007 Text und Foto Willy Blaser
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