Taifun „Winnie“
Taifun „Winnie“
Nach fünf Tagen ohne Fernseher entdecken wir in unserem Hotel die schrecklichen Bilder der Verwüstung, welche der Taifun „Winnie“ einen Tag zuvor in den Provinzen Quezon, Bulacan, Nueva Ecija (alle nord-östlich von Manila gelegen) angerichtet hat. Gegen Tausend Sturmopfer forderte der Taifun! Die Filipinos sind wirklich nicht zu beneiden. Da leben die Leute auf dem Lande schon mehrheitlich in armen Verhältnissen und dann verlieren diese durch Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche und Taifune regelmässig noch ihr gesamtes Hab und Gut. Wie ungerecht doch die Welt ist!
Als sich die Depression während der Nacht von Sonntag auf den Sonntag der Küste näherte, die gleichen Gebiete die bereits durch die Taifune „Unding“ und „Violeta“ in Mitleidenschaft gezogen waren, wurde über Samar und anderen gefährdeten Regionen Signal 1 ausgerufen. Dies wurde in der Tagespresse wohl erwähnt, in einem Land, dass jedes Jahr von etwa 20 Taifunen heimgesucht wird, einige davon mit Windgeschwindigkeiten bis zu 150 Std/km, schien „Winnie“ jedoch ein harmloser Taifun zu sein. Die Bevölkerung ignorierte daher mehrheitlich die Warnungen über Erdrutsche und Überschwemmungen: „Winnie“ war doch nur ein Sturm von max. 50 Std/km!.
Wie konnte ein so „schwacher“ Taifun so viele Opfer und Verwüstung anrichten? Die Experten sind sich einig: es war eine unglückliche Kombination von ungewöhnlich schweren Niederschlägen auf ein Gebiet, dass bereits von den beiden vorausgegangenen Taifunen mit Wasser gesättigt war. Alleine am Sonntag fiel 144 mm Regen. Das Grundwasser erreichte dadurch seinen Saturationspunkt und die Leute haben die Konsequenzen der starken Regenfälle über die letzten Wochen nicht oder total falsch eingeschätzt. Jahrzehntelange illegale Abholzung hat dasseinige dazu beigetragen. Ein kürzlich erschienener Bericht kam zum Schluss, dass in den Philippinen jedes Jahr 100′000 Hektaren Wald abgeholzt wird. Dass die Regierung diesbezüglich endlich strengere Gesetze erlassen müsste, darin sind sich alle einig. Dies wurde jedoch auch nach der verheerenden Katastrophe von Ormoc City im Jahre 1991, als 5000 Menschen ums Leben kamen, und letzten Dezember, als starke Regenfälle Erdrutsche im Süden von Leyte den Tod von 150 Menschenleben verursachte, gefordert. Geschehen ist jedoch bisher nichts.
Ob illegale oder legale Abholzung, spielt im Prinzip gar keine Rolle. Beides kann zu solch verheerenden Katastrophen führen. Ich habe für die illegale Abholzung noch fast eher Verständnis als für die Legale, denn von irgendetwas müssen die Leute ja schliesslich leben. Ein weiterer Grund weshalb sich dieses Unwetter so tödlich auswirkte, mag auch darin liegen, dass viele Filipinos, besonders auf dem Lande, keine oder wenig Disziplin haben und die Anweisungen, sofern es auch deren gibt, nicht befolgen. Das klassischste Beispiel dafür ist der Ausbruch des Mt. Pinatubo im Jahre 1991. Die Amerikaner hatten alle ihre Leute vor dem Ausbruch rechtzeitig evakuiert, nicht aber die Filipinos, diese sind geblieben. Eine vielleicht verständliche Haltung, wenn ich damit befürchten muss, dass mein Haus während dieser Zeit geplündert wird…
Schätzungsweise 13,62 Mio Menschen wurden in den drei Provinzen von diesen schweren Taifunen betroffen, 170′000 Häuser und über 1′118 Schulen müssen neu gebaut werden. In der Hauptstadt Manila blieben die Schulen und Regierungsgebäude geschlossen. Fast der ganze Reiseverkehr wurde lahm gelegt. Die Küstenwache untersagte das Auslaufen von Schiffen, Flugzeuge mussten am Boden bleiben. So blieben in Matnoc (Fähre nach Northern Samar) rund 340 Personen stecken und in Batangas (Verbindungen nach Mindoro Oriental und Romblon) strandeten 600 Personen. Wir selber wurden glücklicherweise nur am Rande von dieser Schlechtwetterperiode getroffen.
Wie entsteht eigentlich ein Taifun?
Der Entstehungsherd tropischer Wirbelstürme ist typischerweise die Region der so genannten innertropischen Konvergenzzone, kurz ITC genannt. Es ist eine Zone, welche von der tropischen Sonne am stärksten aufgeheizt wird. Durch die Energie der starken Sonneneinstrahlung wird eine grosse Menge von Wasser verdunstet und als unsichtbarer Wasserdampf in die Atmosphäre befördert. Heisse wasserdampfhaltige Luft ist sehr leicht und steigt deshalb schnell in grosse Höhen. Je weiter sich die Luft von der Erdoberfläche entfernt, umso stärker dehnt sie sich infolge des abnehmenden Luftdruckes aus. Die Energie, welche die aufsteigende Luft für dieses Ausdehnen benötigt, schöpft sie aus der mitgebrachten Wärme, und ihre Temperatur sinkt. Als Folge dieser Abkühlung beginnt ab einer bestimmten Höhe der gasförmige Wasserdampf wieder zu Wassertropfen zu kondensieren und es entstehen Gewitterwolken, auch Gewitterzellen genannt. Da bei der Kondensation von Wasser jene Wärme wieder freigegeben wird, welche für die Verdunstung des Wassers aufgewendet wurde, gewinnen die Gewitterzellen grosse Mengen an Wärme zurück, was das weitere aufsteigen der Luft beschleunigt. In den Tropen wachsen sie zu riesigen Gebilden heran und erreichen Höhen von 18′000 Meter.
Die an den ITC entstandenen Gewitterzellen sind eine der Voraussetzungen für die spätere Entstehung eines Wirbelsturmes. Eine weitere Voraussetzung ist eine genügend grosse Entfernung vom Äquator, damit daraus überhaupt ein Wirbel entstehen kann. Der Grund hierfür ist die so genannte Corialoskraft, welche ihre Ursache in der Erdumdrehung hat. Durch die Corioliskraft beginnt die in ein Tiefdruckgebiet einfliessende Luft auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn um das Tiefzentrum zu zirkulieren. Auf der Südhalbkugel ist es gerade umgekehrt. Die Corioliskraft vermag jedoch ihre Wirkung erst nördlich oder südlich des 5. Breitengrades genügend zu entfalten. In der Nähe des Äquators ist sie wirkungslos. Eine ganz wesentliche Voraussetzung für die Wirbelsturmentstehung ist schliesslich eine grosse Meeresfläche mit einer Wassertemperatur von 27 ºC und höher. Nur unter diesen Bedingungen gelangt genügend Wasserdampf in die Atmosphäre, um die Weiterentwicklung vom tropischen Gewittertief zum tropischen Sturmtief, der Wirbelsturm, zu ermöglichen.
Tropische Wirbelstürme werden im Atlantik und im Ostpazifik Hurrikane (Hurricanes), im zentralen und westlichen Pazifik Taifune (Typhoons) und im Raum Indien-Australien Zyklone (Cyclones) genannt.
Quelle: Meteo Schweiz
Noch ein Taifun!
Als ob noch nicht genug Schaden durch die vergangenen drei Taifune angerichtet worden wäre, melden die Nachrichten bereits eine weitere, noch viel stärkere tropische Depression. Taifun „Yoyong“ soll mit Spitzengeschwindigkeit bis zu 210 Std/Km bereits 150 km vor der Küste liegen und wiederum den genau gleichen Weg der drei vorausgegangen Stürme nehmen! Vier Taifune innerhalb von wenigen Tagen, so was hatte es bisher in den Philippinen noch nie gegeben. Man befürchtet bereits das Schlimmste und die Vorbereitungen laufen diesmal auf Hochtouren. „Yoyong“ bringt zum Glück keine grossen Regenfälle mehr und verläuft weit weniger vernichtend als die drei Vorgänger. Mit seinem 700 Kilometer breiten Wolkenband, beeinflusst er jedoch das Wetter in Leyte stark. Die Sicht auf dem Flug von Puerto Princesa nach Cebu ist sehr eingeschränkt. Infolge der meteorologischen Bedingungen musst der Pilot auch einen kleinen Umweg über Iloilo City (Panay) machen, eher er Kurs über Negros Occidental und Negros Oriental auf die Insel Cebu nimmt.
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©1999-2007 Text und Foto Willy Blaser
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